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AUDIO IM TREND

In sieben Schritten zum Hörbuch

In der Filmbranche sind Serien seit einigen Jahren die großen Quotenbringer. Nun entdeckt auch das Hörbuch dieses Format Doch welche Schritte stehen hinter einer Hörbuch-Produktion? – Ein Blick hinter die Kulissen.

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Währen das Lesen seit jeher zur Entschleunigung beiträgt, scheint das bewusste Zuhören eine Renaissance zu erleben. So nehmen auch bei der Frankfurter Buchmesse, die jedes Jahr im Oktober stattfindet, Hörbucher immer mehr Platz ein.

„Der Hörverlag“ in München ist einer der führenden unter den rund 400 Hörbuchverlagen in Deutschland. Das 1993 gegründete Unternehmen hat Mega-Beststeller wie „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ im Programm und bringt jährlich rund 200 Titel neu auf den Markt. Alleine die erste, zehnteilige Hörbuch-Serie „Der Abgrund“ von Melanie Raabe, die als Gratis-Podcast zur Verfügung steht, freut sich über 800.000 Zugriffe. Die Palette reicht von anspruchsvoller Belletristik über Unterhaltungsliteratur bis hin zu Kinder- und Jugendhörbüchern.

Programmchefin Renate Schönbeck hat aus dem Nähkästchen geplaudert. Sie erklärt, welche Anstrengungen hinter einer Produktion stehen.

Der Weg zum Hörbuch

1. Auswahl und Bearbeitung des Textes: Nicht jede Buchvorlage eignet sich zur Vertonung. Sachbücher etwa haben nur dann eine Chance, wenn sie erzählerisch aufbereitet sind, wie zum Beispiel „Der Ernährungskompass“ von Bas Kast, der auch als Hörbuch zum Bestseller wurde. Besser für die Vertonung eignen sich auf jeden Fall belletristische Texte. Diese werden manchmal für die Hörbuchfassung gekürzt und bearbeitet – selbstverständlich immer in Absprache mit den Autoren oder ihren Rechtevertretern.

2. Welches Format und welcher Sprecher? – Soll aus einem Text ein „klassisches“, vorgelesenes Hörbuch werden oder ein Hörspiel mit verteilten Rollen und Geräuschkulisse? Und wer soll lesen? Der Autor bzw. die Autorin selbst oder professionelle Sprecher? – Schönbeck: „Die Wahl der richtigen Sprecher ist mitentscheidend für den Erfolg. Bei Debütromanen z.B. sind aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler oft besonders wirkungsvoll, weil die Prominenz das Kundeninteresse und damit den Verkauf befördert.“

3. Ab ins Studio! „Der erste Tag im Studio ist für uns immer ein ganz spannender Moment!“, sagt Renate Schönbeck. Denn hier könne es sogar mit Vollprofis zu Überraschungen kommen: „Es gibt großartige Schauspieler, die vor der Kamera jede Rolle meistern, aber sich bei der Hörbuchaufnahme im Studio häufig versprechen.“ Zum Ausgleich gibt es Routiniers unter den Sprechern, die 70 Seiten pro Tag fehlerfrei einlesen können anstatt der üblichen 30 bis 50 Seiten.
Der erste Hörer des im Studio laut vorgetragenen Textes ist der Regisseur bzw. die Regisseurin. Er/Sie gibt den Sprechern Feedback und macht sie zum Beispiel auf Unstimmigkeiten bei der Intonation oder Unsauberkeiten bei der Aussprache aufmerksam. Eine Tätigkeit, die viel Konzentration und Fingerspitzengefühl verlangt, wie Renate Schönbeck meint: „Wann greift man ein, wann lässt man es laufen?“

4. Beim folgenden Schnitt, der mehr Zeit als die Aufnahmen benötigt, sind Regie und Technik gefragt: Die besten Varianten einer Textpassage werden am Schnittcomputer ausgewählt; Schnaufer, Versprecher und sonstige Störgeräusche eliminiert – eine extrem aufwändige Arbeit bis zum fertigen Rohschnitt.

5. Jetzt ist der „Abhörer“ dran. Ja, diesen Beruf gibt es wirklich! Der Abhörer bekommt als erster das noch unfertige Hörbuch zugeschickt und muss die Produktion auf Doppler (doppelte Passagen), Text-Auslassungen und andere Schnittfehler prüfen. Er ist der Korrektor des Hörbuchs.

6. Die Fehler werden im Studio ausgebessert, die korrigierte, gemasterte Fassung wird an den Verlag übermittelt und abgenommen. Fertig ist der Masterfile!

7. Ab ins Presswerk! Fürs Booklet müssen noch die Trackliste und die Laufzeiten kontrolliert, Fotos angefertigt und Begleittexte geschrieben werden … Je nach Ausgestaltung dauert die Produktion einer CD vier Wochen bzw. einer umfangreichen CD-Kassette sechs Wochen. Insgesamt stehen für Hörbuchproduktionen oft nur acht Wochen zur Verfügung, in der von der Textbearbeitung bis zur Auslieferung an den Buchhandel pünktlich zum Erscheinungstag alles erledigt sein muss. Die Produktion von Hörspielen oder die Entwicklung von Eigenkreationen des Verlags ohne Buchvorlage ist natürlich wesentlich komplexer und erfordert deutlich mehr Vorarbeit und Aufwand im Tonstudio.

Hörbuch-Tipps

Renate Schönbeck, Hörverlag

Programmchefin Renate Schönbeck kam nach einer Buchhändlerlehre und einem Studium der Literaturwissenschaften 1997 zum Hörverlag. Im Gespräch hat sie uns ihre drei aktuellen Favoriten aus dem Verlagsprogramm genannt:

  • Hasnain Kazim: Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte. Sprecher: Bjarne Mädel, Cathlen Gawlich, Bernhard Schütz, Hasnain Kazim
  • Hans Well: Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat. Hörspiel mit Gisela Schneeberger, Gert Heidenreich, Bernhard Butz, Heinz-Josef Braun, Johanna Bittenbinder, Wellbappn
  • Thomas Bernhard: Bernhard für Boshafte. Lesung mit Peter Simonischek

Das Geschäft mit Hör-CDs macht übrigens nur 50 % des Umsatzes aus. Die andere Hälfte wird über Internet-Downloads bzw. Streaming-Portale lukriert. Der Umsatz am Hörbuchsektor ist trotz rückläufiger Zahlen im Buchhandel in den letzten Jahren stabil geblieben.

Hör-Serien für die Unter-30-Jährigen

Neue wirtschaftliche Impulse und mehr Interesse seitens der Unter-30-Jährigen, die als vergleichsweise bücherscheu gelten, erhofft man sich von Hör-Serien. Die erste war ein voller Erfolg: 800.000 Hörerinnen und Hörer haben sich die zehn Folgen von „Der Abgrund“ angehört, die Thrillerautorin Melanie Raabe eigens für den Podcast geschrieben hat. Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse schickt der „Hörverlag“ am 18. Oktober mit „Der Fremdgänger“ eine neue Serie ins Rennen. Und für danach hat man bereits zwei weitere Hörbuch-Serials in Vorbereitung.

Autor: Werner Schandor

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